Skytengle in Jütland
Im Norden Dänemarks muss man bis zur nächsten Disko meist weit fahren. Und im Sommer, wenn Schüler und Studenten besonders häufig unterwegs waren, verursachten betrunkene junge Männer dort ungewöhnlich viele, auch schlimme Unfälle. Der Versuch, die Jungs durch Plakate oder Filme zu beeinflussen, funktionierte nur mäßig. Es gab trotzdem zu viele Unfälle. Erst als die Nordjütländer 1996 junge Mädchen darum baten, "Skytengle" für ihre Freunde zu sein und auf sie aufzupassen, ging die Zahl der Unfälle mit betrunkenen jungen Männern weiter deutlich zurück.

Skytengle heißt Schutzengel.
Schutzengel in Soltau-Fallingbostel
Auch im Landkreis Soltau-Fallingbostel in Niedersachen liegt alles weit auseinander: Ganze 76 Menschen verlieren sich hier auf einem Quadratkilometer Land. Wer Freunde besuchen will oder eine Disko, muss fast immer das Auto nehmen. Und noch eine Gemeinsamkeit mit Dänemark: Auch hier nehmen es viele Jüngere nicht so genau mit dem Verbot, betrunken Auto zu fahren. In den Jahren 2001 bis 2003 sind in Soltau-Fallingbostel 27 junge Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen - das entspricht einer ganzen Schulklasse! Der Landkreis reagierte auf die schrecklichen Zahlen. Mittlerweile 8500 Mädchen und junge Frauen zwischen 16 und 24 erhielten einen Brief, in dem sie zu Schutzengeln "ernannt" wurden. Sie bekamen einen Schutzengelausweis und wurden gebeten, ihren positiven Einfluss auf ihre Freunde geltend zu machen. Weitere Infos zu Soltau-Fallingbostel auch unter www.soltau-fallingbostel.de.
Lebensretter schwarz auf weiß
Und die Schutzengel in Soltau-Fallingbostel haben sich nicht nur über das Schutzengel-Menü gefreut, das McDonald's mittlerweile dort für sie anbietet oder über die Vergünstigungen in mehr als 100 Läden, Diskos und Freizeiteinrichtungen im Landkreis. Sie haben ihren Einfluss geltend gemacht - und zwar sehr eindrucksvoll: Statt 27 junger Todesopfer im Straßenverkehr wie in den drei Jahren zuvor, sind zwischen 2004 und 2006 nur noch acht junge Menschen gestorben. Natürlich sind acht Tote acht Tote zuviel - aber es sind auch 19 Tote weniger als im gleichen Zeitraum ohne Schutzengel. Nirgendwo sonst in Deutschland hat es einen so deutlichen Rückgang gegeben, so dass diese Zahlen sehr deutlich zeigen:

Schutzengel retten Leben!
Wie ging es weiter?
Die Schutzengel-Aktion in Soltau-Fallingbostel wurde gemeinsam von der Polizei und dem Landkreis Soltau-Fallingbostel ins Leben gerufen und seitdem auch vom ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt unterstützt. Natürlich möchte jeder gern, dass Schutzengel bald in ganz Deutschland aktiv werden, um in Zukunft möglichst viele Unfälle mit betrunkenen Fahrern zu verhindern. Deshalb engagiert sich der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt auch weiterhin und hat dieses Webportal eingerichtet, deshalb schreiben immer mehr Landkreise ihre jungen Leute an.

Die Schutzengel-Gemeinschaft wächst. Immer mehr, wenn Ihr dabei seid und Euren Freunden davon erzählt.

BOB ist cool

Natürlich machen sich viele Leute Gedanken darüber, wie man schwere Unfälle mit jungen Leuten besser verhindern kann. Dabei sind die Schutzengel nicht allein. In Belgien (seit 1995) und in vielen anderen europäischen Ländern gibt es beispielsweise BOBs. Bei diesem Projekt werden die Fahrer, die bei der Party nichts trinken und die Clique sicher nach Hause bringen mit kleinen Geschenken oder kostenfreien alkoholfreien Drinks belohnt. Eine Idee, die inzwischen auch z.B. in Hessen verfolgt wird. Mehr Infos darüber unter www.aktion-bob.de. Dann gibt es in vielen Bundesländern ähnliche, oft zeitlich begrenzte Aktionen wie Fifty-Fifty-Taxis, Nachtschwärmer, "Geklärt,wer fährt", um nur einige zu nennen.

Und jetzt auch in Bayern
Der Kreisjugendring Bamberg-Land hat mit der Aktion Schutzengel die Vorreiterrolle in Bayern eingenommen. Aktion Schutzengel im Landkreis Bamberg stellt sich bayernweit als erstes Projekt der Aufgabe, Unfälle durch angetrunkene junge Autofahrer zu verhindern. Hier steht vor allem das Verantwortungsbewusstsein junger Menschen im Mittelpunkt unserer Bemühungen. Es geht nicht darum Feiern und Alkohol zu verteufeln. Vielmehr soll verantwortungsbewusstes Verhalten gestärkt und belohnt werden. Wer fährt, soll alkoholfreie Getränke auch kostenfrei bekommen und wer sich dafür einsetzt mit dem Taxi zu fahren, soll auch dort Vergünstigungen mit dem Schutzengelausweis bekommen. Hierfür setzt sich die Aktion Schutzengel ein.

Jeder ausgestellte Ausweis unterstützt unsere Bemühungen und jedes Angebot für Sonderkonditionen stärkt die "Engelgemeinschaft"!